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Inneres Erwachen

B. von Clairvaux
 
 

Fig. 1

 

Im Todeshoroskop beobachten wir das Erwachen der geistigen, ethischen religiösen und künstlerischen Neigungen, die in der vorherigen Inkarnation entwickelt worden sind. Die Impulse, die im Innersten des Menschen aufblühen, erscheinen im äußeren Leben z. B. in Form von Entschlüssen, Krisen, Neuorientierungen und Begegnungen. Diese Ereignisse lesen wir im Geburtshoroskop; sie sind das Ergebnis der inneren Entwicklungsphasen, die wir im Todeshoroskop verfolgen.

Emil Bock wurde im Ersten Weltkrieg, am 31. Oktober 1914, schwer verwundet. Er rief um Hilfe.
Und das Merkwürdigste ist: ich höre mich selber tief unten rufen, als wäre ich in einer Höhe von 20 m über mir. Das war ein unbeschreibliches Erleben. Offenbar war ich schon so weit heraus aus meinem Leib...
Eigentlich war ich, als mich die Männer von der Patrouille zurücktrugen, bereits gestorben. Ich war fortan wie in einem fremden Leibe und habe oft auf die Erlebnisse vor der Verwundung als auf die eines anderen Menschen zurückgeschaut.
(1)

Während die Seele vom Leib losgelöst war, flößte ihr die geistige Welt Impulse ein, die Emil Bock nach seiner Genesung anregten, sich für sein Lebenswerk vorzubereiten.

In Bernhards Todeshoroskop bilden Neptun und der Drachenschwanz ein Trigon. Ab Juni 1911 befand sich der laufende Neptun fortwährend in der Umgebung des Drachenschwanzes† (Orbis 6°30') und bildete Schleifen, die das Trigon aktivierten (Fig. 1).
Zusätzlich begann im Juni 1914 ein Übergang des Drachenschwanzes über die Himmelstiefe der Lokalisierung.
Im wahren Wesen Emil Bocks entstand die Sehnsucht nach edlen Zielen.

Der laufende Neptun blieb noch lange im Spielraum des Drachenschwanzes†; endgültig verließ er ihn erst am 25. Mai 1917.


Alles, was nun an mich herantrat, war, als ob ich ganz neu ins Leben zurückkehrte, an einen völligen, gnadevoll gewährten Neuanfang gestellt. (2)

Noch vor Weihnachten 1914 versenkte er sich in die deutsche Literatur und außerdem lernte er Holländisch.
Er besuchte Vorlesungen, konsolidierte seine Kenntnisse im Lateinischen und lernte Griechisch.

Immer deutlicher (zog) die Frage durch mein Gemüt: wird es gelingen, nach Beendigung des Krieges dem europäischen Leben die notwendige neue Gestalt und Verinnerlichung zu geben?...
Nach Pfingsten 1915 führte ihn ein Freund in die Welt des in der Jugendbewegung erwachten neuen Literatur- und Kunstgeschmacks ein. Mit durstiger Seele nahm ich, der ich in dem mehr proletarischen Milieu meiner Jugend davon nichts kennengelernt hatte, den Reichtum der Kunstgeschichte in mich auf...
... Ich wollte in Latein und Griechisch das Abiturium, also die Reifeprüfung eines humanistischen Gymnasiums nachholen; dunkel fühlte ich, dass das Gebiet der Theologie mich rief.
(3)

Am 18. September 1915 legte er in Koblenz das lateinische Examen ab.
Am 7. Mai 1917 folgte das griechische Examen und NeptunT verließ den Drachenschwanz† am 25. des Monats.

Im Herbst 1915 fing ich auf eigene Faust an, mich mit den Problemen des Christentums und der modernen naturwissenschaftlichen Weltanschauung auseinanderzusetzen. Ein unausweichlicher Drang dazu stellte sich ein. (4)

Im Spätjahr 1915 begegnete er der Anthroposophie. Im Militärdienst, den er weiterhin leistete, wurde er zur Paketprüfungsstelle abkommandiert. Durch die Drucksachenabteilung liefen sämliche Bücher- und Zyklensendungen, die vom Berliner Philosophisch-Anthroposophischen Verlag nach Dornach gingen...
Obwohl ich mir bald darüber klar war, dass diese Literatur keinen Anlass bot zur Beanstandung durch die Zensur, zog es mich immer wieder zu diesen Büchern hin. So nahm ich wiederholt Bücher und Broschüren über Nacht mit nach Hause, um abends ausführlicher darin studieren zu können.
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Fig. 2

 

In den Sommer 1916 nach meinem 21. Geburtstag fallen Begegnungen, die wie eine exakte Fixierung der fälligen Lebenswende anmuten. Die wichtigste und am meisten auslösende war die mit Rittelmeyer. (6)
Sie ereignete sich am 20. August 1916. An diesem Sonntag kam Emil Bock "zufällig" in Berlin an der Neuen Kirche vorbei, betrat sie und hörte Friedrich Rittelmeyers Antrittspredigt. Er amtierte bisher als Pfarrer in Nürnberg. Bald darauf begegneten sie sich persönlich.

 
 
 

Fig. 3

 

Friedrich Rittelmeyers Radix-Venus belebt das Trigon, das Saturn und Venus in Emil Bocks Geburtshoroskop bilden (Fig. 3).
In Friedrich Rittelmeyer hat der dreiundzwanzig Jahre jüngere Emil Bock einen väterlichen Freund gefunden.

Emil Bocks McL erweckt den Radix-Mars seines Freundes.
Der Jüngere stimulierte seine Tätigkeit und seinen Unternehmungsgeist.

 
 
 

Fig. 4

 

Der südliche Radix-Mondknoten Friedrich Rittelmeyers erweckte das Trigon, das der Drachenschwanz mit Jupiter und Neptun in Bernhards Todeshoroskop bildet (Fig. 4).
Friedrich Rittelmeyers Geistigkeit im äußeren Leben verstärkte den Drang nach Religiosität und geistiger Erhebung, der in Emil Bocks Seelentiefen herrschte.


 
 
 

Fig. 5

 

Bernhards Todeshoroskop zeigt den Drachenkopf in Trigon mit dem Merkur. Der Übergang des aufsteigenden Mondknotens über den Merkur† stimulierte diesen Aspekt (Fig. 5).

Am 16. September 1922 erhielt Emil Bock als erster die Priesterweihe durch Friedrich Rittelmeyer. Das Zelebrieren der Menschenweihehandlung war die Erfüllung eines Strebens, das Emil Bocks wahres Wesen kennzeichnete: die Vergeistigung des Wortes.


 
 
 

Fig. 6

 

Bernhards Venus† bildet ein Sextil mit Saturn†. Die Saturnschleife aktivierte diesen Aspekt (Fig. 6).
Dazu kam noch die Schleife, die Jupiter über dem Aszendenten der Lokalisierung vollführte.

Am 13. Januar 1922 haben Grete Seumer und Emil Bock geheiratet. Die Trauung wurde durch Friedrich Rittelmeyer vollzogen.

Die Erweckung des Saturn†-Venus†-Aspektes, gepaart mit den Jupiterkräften, hatte eine besondere Wirkung:
Etwa zur gleichen Zeit wie die ersten Stuttgarter Seminarkurse hatte eine ganz andersartige Initiative ihren Anfang genommen. Es bildete sich aus jungen Gemeindegliedern, Seminaristen und Angehörigen des Jugendkreises eine Spielergruppe, die mit unbeschreiblichem Enthusiasmus unter der Regie von Emil Bock begann, Stücke einzustudieren: das Oberuferer Christ-Geburt-Spiel, das Redentiner Osterspiel, das mittelalterliche Theophilus-Spiel und das Märchen von den zertanzten Schuhen. (7)

Durch die Jupiterimpulse entstanden die Stuttgarter Seminarkurse, die Emil Bock leitete und im Jahre 1923 wurde der "Verlag der Christengemeinschaft" gegründet.


 
 
 

Fig. 7

 

Im Mai 1930 erschien Emil Bocks Übersetzung des Paulus-Briefes an die Epheser. Nachher übersetzte er die übrigen Briefe des Neuen Testaments, die Apokalypse des Johannes und die Evangelien. Das monumentale Werk wurde mit der Publikation des Johannes-Evangeliums, die zu Weihnachten 1933 erschien, provisorisch abgeschlossen.

Neptuns Schleifen erweckten die Quadratur, die die Sonne† mit Neptun† bildet (Fig. 7). Emil Bock unternahm ein Werk, das kaum realisierbar war.
Gerade innerhalb der Schriften des Neuen Testaments muss eine Auffassung versagen, die da meint, für ein Wort der noch sakral volltönenden griechischen Sprache einfach ein Wort aus den profan und blass-intellektuell gewordenen modernen Sprachen setzen zu können. (8)

Was die Übersetzungen selbst betraf, hatte Emil Bock stets das Gefühl des Vorläufigen und Unvollkommenen, obwohl immer die Erfahrungen der vorhergehenden Kapitel in die weitere Arbeit einfließen konnten. Er empfindet dennoch deutlich, dass es noch nicht in genügendem Maße gelungen ist, den richtigen Stil zu finden für das, was in dem griechischen Text so klar-lebendig enthalten ist. Dieses Gefühl veranlasst ihn im März 1932 im Anschluss an die Übersetzung der Offenbarung Johannis zu sagen: "Am liebsten unterbräche ich den Gang der Lieferungen, um sogleich das bisher Übersetzte von neuem zu übersetzen..." (9)

 
 
 
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